Photo und Text: Schoplocher
Photo und Text: Schoplocher

26.01.2021
Herzlichen Glückwunsch

Walter Urban ist das personifizierte Ehrenamt Waldmünchens. Kurz nach seinem 70. Geburtstag erklärt der ehemalige Stadtrat im Interview, warum er gerne die Graue Eminenz ist. Außerdem spricht er über die aktuelle Situation in der Innenstadt und eine neue, besondere Aufgabe.
Man könnte diese Geschichte mit einer Aufzählung beginnen: 30 Jahre Stadtratsmitglied, Ehrenvorsitzender der Feuerwehr, Träger der Bürgermedaille ... Oder man könnte zwei alte Bücher an den Anfang stellen, die Walter Urban vor sich auf dem Tisch liegen hat, und die viel mehr erzählen über den Menschen Walter Urban: Die Protokoll-Bände nämlich gehören der Kolpingsfamilie, der der Waldmünchner vor mehr als einem halben Jahrhundert beigetreten ist. Und als sich im vergangenen Frühjahr kein Nachfolger für den Vorsitz fand, ließ sich der frischgebackene 70-Jährige kurzerhand in die Pflicht nehmen – als Sprecher eines dreiköpfigen Leitungsgremiums, denn „ganz vorne wollte ich nicht mehr mitmischen“.
Walter Urban wollte, dass es weitergeht mit der Kolpingsfamilie und seines Gründers, ein „Soziallehrer, der seiner Zeit schon sehr voraus war“. Nein, auf Lorbeeren sei er nie aus gewesen, weder als Stadtrat noch bei der Feuerwehr noch... Die Liste der Ehrenämter hätte alleine das Zeug dazu, diesen Artikel zu füllen. Was umso bemerkenswerter ist, als dass ihm dieses Engagement nicht in die Wiege gelegt wurde. „Es ist schlicht eine Bürgerpflicht“, erklärt der gebürtige Waldmünchner, der aus dem heutigen Jugendhaus stammt, die Eltern betrieben dort eine kleine Landwirtschaft. 
Wenn er jetzt, rund um den 70. Geburtstag, den er im Dezember feiern (beziehungsweise coronabedingt eher „begehen“) konnte, zurückblickt, drängt sich ihm vor allem ein Gedanke auf: „Wie ging das alles damals nur?“ Oft musste sich der Vater einer Tochter entscheiden zwischen mehreren Terminen am gleichen Abend. Wie oft er beim „Stopp“ zu Hause während dem Umziehen nur schnell zu einer Wurstsemmel gegriffen hat, statt mit der Familie zu Abend zu essen, weiß er nicht. Aber: „Wenn meine Marianne mir nicht so den Rücken freigehalten hätte, wäre vieles nicht möglich gewesen“, sagt er dankbar. Umso mehr möchte er jetzt die Zeit als Opa genießen: Die Anfang Mai 2020 geborenen Zwillingsmädchen Theresa und Franziska seien ein Riesenstolz und eine Riesenfreude, kurz: ein riesiges Geschenk.
Nicht nur wegen der Enkelinnen kann Walter Urban nur milde lächeln bei der Frage nach Langeweile. Die Bücher, die er zum 70. Geburtstag geschenkt bekommen hat, werden wohl noch eine Weile liegen bleiben. Neben Haus und Hof (oder vielmehr dem großen Garten), wartet aktuell die Kirchenrechnung auf den langjährigen FW-Stadtrat und Fraktionssprecher. Im Januar werden es 20 Jahre, dass er das Amt des Kirchenpflegers innehat, eine zeitaufwendige, wie auch verantwortungsvolle Aufgabe, gilt es doch, gebäudliche und finanzielle Angelegenheiten der Pfarrei zu regeln. 
Warum tut man sich das alles über Jahrzehnte an, zumal es Urban wie manchem Ehrenamtlichen ergangen ist, und zu einem Amt ein neues hinzukam, nach dem Motto: Du könntest doch noch...? „Weil man etwas bewirken kann“, ist der frühere Leiter der AOK-Geschäftsstelle überzeugt. Indem man andere überzeugt. Auch in der Opposition, der er die letzten Jahren im Stadtrat angehörte. Ideen einbringen könne schließlich jeder – und viele einstimmige Beschlüsse zeigen, dass das Ziel das gleiche sei: Heimat (mit)gestalten. Im Vergleich zu früher, etwa in den Anfangsjahren von FW-Bürgermeister Dieter Aumüller, der eine CSU-Mehrheit im Stadtrat gegen sich hatte, sei vieles einfacher geworden. Dennoch würde er sich wünschen, dass allen ein Grundsatz bewusster wäre: Der Angriff gilt immer dem Ball und nie dem Mann. 
Dass man etwas bewegen könne, zeige aktuell auch die Schuhsammel-Aktion der Kolpingsfamilie. Statt die paar Hundert, auf die Urban als Gesamtergebnis erhofft hatte, sind über 1300 Paar geworden, bereits am ersten Tag waren es 370. Die nun in Kartons verpacken, ist wieder so eine Aufgabe...
Wenn ihm aber, wie geschehen nach dem geglückten Feuerwehrjubiläum 2015, Menschen auf die Schulter klopfen und gratulieren, dann „weiß man schon, warum man′s tut“, verdeutlicht er. Urban scheint die Kunst des Loslassens zu beherrschen. „Nach meiner letzten Stadtratssitzung ging es schnell.“ 
Vielleicht, weil er, wie auch als Feuerwehrvorsitzender, rechtzeitig die Weichen gestellt hat. Was nicht bedeutet, dass die Verbundenheit verloren gegangen wäre. Im Gegenteil: Man wolle doch wissen, wie es weitergehe. „Dieses Interesse wird nie nachlassen“, ist er sich sicher. Auf der anderen Seite ist er (nicht nur in Fragen der Stadtpolitik) als Graue Eminenz im Hintergrund gefragt.
Deswegen geht es nicht ohne Sorgen, wenn er an seine Heimatstadt denkt. Es sei in der Vergangenheit vieles gut gemacht worden, aber die Situation gerade im Stadtkern sei bedauerlich. Er hofft, dass wieder bessere Zeiten kommen. „Die Möglichkeiten, das zu erreichen, sind da.“ Vor allem, wenn sich mehr an seine Devise halten würden: Nicht meckern, machen.