Waldmünchen. Sie hatten ihn ganz bewusst gewählt, diesen Tag. Von alters her sei der Kirta-Montag ein freudiger Anlass gewesen – und für Siegfried Wagner folglich der perfekte Zeitpunkt, um Wolfgang Kürzinger als Bürgermeisterkandidaten der Freien Wähler zu präsentieren.

Wagner machte aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Ich freue mich riesig, persönlich und für die Stadt“, betonte der Vorsitzende, denn für ihn steht fest: „Dieses Mal kriegen wir die paar Prozent zusammen, die uns 2014 gefehlt haben“.
 

2014: Ein Wahnsinns-Ergebnis

Damals hatte Wolfgang Kürzinger Markus Ackermann (CSU) bereits herausgefordert und mit 41,98 Prozent ein hervorragendes Ergebnis – noch dazu „aus dem Stand“. Er erzielte bei den Stadtratswahlen nach dem Rathauschef die zweitmeisten Stimmen. Auch aus anderen Gruppierungen bekam der vierfache Vater Stimmen.

Unbändiger Wille

Wagner führte dies auf die Strebsamkeit, Ehrlichkeit und Tatkraft des Prosdorfers zurück. „Er hat einen unbändigen Willen, den muss ich auch manchmal erleben“, ergänzte er augenzwinkernd.

Diesen Ball nahm der 47-Jährige nur allzu gerne auf. „Ich fühle mich stark für das Bürgermeisteramt, motiviert und auch reif!“ Untermauern wollte er dies mit seinen vielfältigen Erfahrungen in Beruf und Ehrenamt. In seiner ersten Zeit am Chamer Arbeitsamt wurde er teils mit schwieriger Kundschaft und sozialen Brennpunkten konfrontiert. Als Leistungs- und Führungsberater dann in Deggendorf hatte er in den Bereichen Haushalt und Controlling zu tun. Analysieren, vergleichen, Ziele abstecken – alles Fähigkeiten, die seiner Meinung nach auch ein Gemeindeoberhaupt mitbringen muss. Absolute Offenheit den Bürgern gegenüber und Kommunikation auf Augenhöhe sind für ihn die bedeutende Eigenschaften, um die Menschen mit ins Boot zu holen - mit einsamen Entscheidungen funktioniert das nicht. Vieles von dem was er propagiert habe den Praxistest schon bestanden, meinte Kürzinger und nannte als Beispiel das Prosdorfer Feuerwehrfest, dessen überragender Erfolg auf vielen gemeinsam getroffenen Entscheidungen basierte.

Ein Bürgermeister müsse einen Fahrplan haben, das „Wie geht es wohin“ vor Augen, umriss er die Hauptaufgabe. In seiner Anschauung ist der Gemeindechef Arbeitnehmer der Bevölkerung; Mit der Folge, dass das Gesamtinteresse immer im Vordergrund stehen müsse. Der Reiz „gemeinsam etwas weiterzubringen“ sei die große Triebfeder für seine Kandidatur, verriet er.

Ganz dick unterstrich der Kandidat, dass „der Hof gestellt ist“, die Landwirtschaft ihn als Bürgermeister also nicht behindern würde. Dafür würde in erster Linie Tochter Bettina sorgen, die die entsprechende Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat.

Dass sich in Waldmünchen und seinen Ortsteilen in den vergangenen Jahren eine Menge zum Positiven gewendet hat, wollte Wolfgang Kürzinger gar nicht in Abrede stellen. „Aber es gibt auch Nachholbedarf“: TV-Halle, Festhalle, Infrastruktur mit Wasser und Straßen sowie das große Thema Breitband, Bevölkerung und Beschäftigung griff er exemplarisch heraus.

Wie mit dem von den Freien Wählern schon lange geforderten Leerstandsmanagement umgegangen werde, bezeichnete der Kandidat als symptomatisch. Statt das Problem selbst anzugehen, verweise die Stadt auf eine Landkreisplattform. Kürzinger forderte, statt einem „Klick da mal drauf“ ein persönliches Gespräch anzubieten.

Dass sich die finanzielle Ausstattung der Kommune erheblich verbessert habe, sei unstrittig. Allerdings lohne auch da ein genauerer Blick. Dieser Aufschwung nämlich basiere auf staatlichen Stabilisierungshilfen. „Wenn die Stadt die nicht mehr hat, hängen wir wieder am Tropf“, warnte er.

Kürzinger wünschte sich, dass sich der Mut zur Veränderung, den die junge Generation vorlebe, ausbreite. Dieser sei seiner Meinung nach nämlich auch in der Stadtpolitik nötig, vielleicht hin und wieder auch gepaart mit ein wenig Risikobereitschaft. Der Wille zur Neuausrichtung sei seiner Meinung nach in der Bevölkerung zu spüren, bestätigte er Siegfried Wagner, der aus Gesprächen und Rückmeldungen Gleiches berichtete.

Der 47-Jährige ist überzeugt: „Wenn man hinter etwas nicht steht, wird man keinen Erfolg haben.“ Hinter der Mission Bürgermeister steht er jedenfalls mit 100 Prozent.